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14.06.2009

Mein erster Ultralauf 2009
Mathias hat im Streakrunner Forum einen Lauf über 40 km angekündigt Endlich soll es sein erster Ultra werden. Wie ich mittlerweile schon gelesen habe, hat es auch geklappt. Glückwunsch Mathias, willkommen im Club der Ultraläufer. Schön gemacht.
Das ließ mich natürlich nicht ruhen. Nach der langen Auszeit wegen Krankheit bin ich seit Mai wieder im Laufgeschäft.
Das bringt natürlich einige Nachteile mit:

1. Und schlimmster Nachteil: 20 Kg vom läuferischen Idealgewicht entfernt.

2. Ein Rucksack mit noch einmal 6,6 kg, davon 3,5 Liter Getränke.

3. Nur einmal Bergtraining dieses Jahr, will aber Trail laufen.

Ich bin mir durchaus bewusst, das es nicht einfach wird. Aber nur der Mutige gewinnt.
Ich setzte auf 25 jährige Lauferfahrung, da weiß man, was man tut.
So starte ich gegen 23:15 Uhr, meiner Lieblingslaufzeit, und laufe durch das Dorf in Richtung Mittellandkanal.
Es ist eine herrliche, sternenklare Nacht. Vom Mond noch keine Spur in Sicht. Angenehme Temperaturen.
Schnell finde ich meinen Rhythmus und höre dabei meinen Heimatsender, der wieder einmal passgenaue Musik für mich liefert.
Vorbei am Haus meiner Tochter und nach wenigen 100 Metern bin ich schon am Mittellandkanal.
Ruhe kehrt ein, Licht brauche ich nicht. Ist das herrlich, endlich mal wieder Nachts unterwegs. Wie hab ich das vermisst.
Ich genieße jeden Atemzug und stelle mit Erstaunen fest, das es hier nur so von Glühwürmchen wimmelt. So viele wie ich heute gesehen habe, gab es nur zu meiner Jugendzeit vor 40 Jahren.
Kurz hinter der Aue, die hier unter dem Mittellandkanal durchfließt, höre ich mehrere Pfiffe. Erst traue ich meinen Ohren nicht (Ich habe nur einen Ohrhörer in Betrieb, ein Ohr bleibt für Umgebungsgeräusche offen)
Die Pfiffe wiederholen sich. Ich werde stutzig, bleibe stehen, lausche und wieder der Pfiff. Gleichzeitig sehe ich auf der Kanalbrücke jemanden mit einer Lampe winken.
Mein Herz rutscht schon langsam nach unten in die Hose. Hier ist der Umschlagplatz des Landbundes, Schiffe haben im Hafenbecken angelegt.
Ich überlege, ob da gerade Rindenmulch, Dünger oder Schrott geklaut wird und ich laufe denen noch in die Arme.
Ich bin froh, das ich die Stirnlampe nicht an hatte und bin mir sicher, das ich auch nicht gesehen worden bin.
Still schleiche ich auf einen Nebenpfad, der ganz zugewachsen ist, um das Hafengelände herum, in der Hoffnung, nicht bemerkt zu werden.
Bange Minuten verstreichen, dann habe ich es geschafft. Ich bin weit hinter dem Hafen wieder auf den Leinpfad angekommen und trabe nun in Richtung Warber weiter. Es wird frisch und ich ziehe die Windjacke mit langen Ärmel an. Das tut gut, jetzt noch die Mütze auf und weiter geht es.
Kurz vor dem Hafen in Warber sehe ich auf der anderen Kanalseite drei Solarlichter brennen. Angler sitzen dort gemütlich zusammen und frönen ihrem Hobby.
Dann komme ich an die Brücke und verlasse den Kanal. Auf einem Wirtschaftsweg laufe ich weiter, am Gasthof "Schäferhof" vorbei und dann auf die Kreisstraße in Richtung Bückeburg.
Selten kommt ein Auto vorbei und wenn, dann rasen sie wie verrückt. Ich trabe ganz piano auf dem Fahrradweg Richtung Meinsen. Die Kilometer ziehen sich dahin aber alles hat ein Ende und ich erreiche den Ort Meinsen und danach auch Scheie.
Da hält die Polizei gerade zwei Jugendliche mit Fahrrädern an, da diese unbeleuchtet sind. Ein gefährliches Unternehmen. Gerade weil hier die Autos um diese Zeit rasen wie verrückt, sind die Jugendlichen besonders gefährdet.
Trotzdem haben sie noch ein gutes Wort für mich über und wünschen mir "Gut Lauf."
Ich bedanke mich und weiter geht es.
Über dem Bückeberg steigt der Mond auf. Ein unvergesslicher Anblick, direkt neben dem Sendemast des NDR schiebt er sich ganz langsam hoch.
Ich freue mich, alleine dieser Anblick entschädigt mich für alle Qualen.
Ja, leicht fällt es mir nicht. Gefühltes Schneckentempo, die neuen Trailschuhe, all das macht es nicht einfacher. Die Kilometer ziehen sich wie Kaugummi lang.
Im Stillen überlege ich, ob ich nicht über Bückeburg wieder gen Heimat laufe. Dann braucht Ulrike nicht so lange um mich bangen.
Während ich so überlege bin ich schon in Bückeburg angekommen. Rechts rum ginge es nach Hause.
Ohne weiter nachzudenken laufe ich links rum, Richtung Bergdorf. Wer soweit ist, der kann auch weiter. So mach ich es.
Ich rufe noch einmal bei Ulrike an und erkläre Ihr den weiteren Streckenverlauf und sage Ihr, Sie soll sich keine Gedanken machen.
Ob Ihr das wohl gelingt? Ich glaube kaum.
Gedankenversunken geht es weiter. Plötzlich hustet jemand neben mir, ich sehe aber niemanden. Doch, da ist er, auf dem Militärgelände, gleich hinter dem Zaun.
         
Der Igel macht sich durch kräftiges Husten bemerkbar. Ich schaue einen Moment lang zu, wie er auf flinken Beinen in die Nacht verschwindet. Wieder ein kleiner Lichtblick in dieser Nacht, eine willkommene Aufmunterung.
Dann komme ich in den kleinen Ort Bergdorf und sehe dort diesen schönen Garten. Da kann ich nicht wiederstehen und muss Bilder machen.
Was die jungen Leute gegenüber im Auto wohl gedacht haben, das ich mitten in der Nacht den Garten fotografiere.
Mit viel Liebe wurde der Garten gestaltet. Ich bewundere die Menschen die da so ein Händchen für haben.
Durch den verschlafenen Ort Ahnsen laufe ich weiter in Richtung Krainhagen. Hier geht es jetzt ans Eingemachte. Drei Kilometer nur noch bergauf. Auf was hab ich mich da eingelassen.
Den Ort gibt es schon länger.
Nach endlosen Anstieg komme ich zu diesen paradiesischen Trail. Ein Tor zur neuen Welt. Am Ende wartet der von mir versteckt angelegte Verpflegungsstand.
Ab in die Dunkelheit. Herrlich, ich bin überglücklich, das es noch so gut läuft. Wenn auch langsam, aber gleichmäßig, immer weiter bergauf.
Ein Hinweis, das ich im Naturschutz Gebiet laufe.
Da schaut meine Wasserflasche aus dem Laub. Was hätte ich wohl gemacht, wenn sie weg wäre? Egal, nicht weiter grübeln, sie ist ja da.
Bei der "Süßen Mutter" endet der Trail und nun geht es erst einmal lange, lange, bergab, auf einem Radweg neben der Hauptverkehrsstraße. Auch hier rasen die Autos wie die geisteskranken durch die Nacht. Keiner macht sich Gedanken, das hier in den frühen Morgenstunde Rehe, Hirsche, Wildschweine und andere Tiere die Fahrbahn kreuzen können. Rechts und links ist Wald, Feld und Wiese.
Kurz vor Buchholz kommt dann auch die Ernüchterung. Aus der Entfernung sah ich schon die Kerzen brennen. Direkt an einer viel befahrenen Kreuzung ist das Unglück geschehen.
Ich hielt kurz an, sprach ein kleines Gebet und lief dann ernüchtert weiter. Wie schnell kann es einen selbst treffen. Ein Grund, jeden Tag neu zu leben, dankbar zu sein, denn es ist alles nur ein Geschenk.
Nun führt die Straße wieder lange bergauf in Richtung Steinbergen, wo es dann wieder in den dunklen Wald geht. Bevor ich dort diese kaputte Bank erreiche, muss ich über rutschigen Lehm, der auch wunderbar unter den Sohlen klebt, ca. 1,5 km aufwärts schlittern und aufpassen, das ich nicht wieder runter rutsche. Auf dem Bild kann man den Matsch erkennen.
Wie ich dann sehe, sind hier Wegearbeiten im Gange. Daher auch der Matsch. Interessant das Füllmaterial, welches hier lagert. Es ist tatsächlich richtig weiß, wie Salzkristalle in riesiger Form.
Bevor ich wieder in die Dunkelheit des Trail tauche, esse ich noch einen Apfel. Das ist der zweite während des Laufs. Bekommt mir wunderbar.
Im Rhythmus von zwei Stunden habe ich jeweils zwei Kochsalztabeletten mit einigen Schlucken Wasser genommen. Salz brauche ich immer etwas beim Sport.
Auch der Trail hat einmal ein Ende und wir treffen auf diesen Wegweiser, der die Richtung des Pilgerweges nach ´Kloster Möllenbeck weist. Wäre auch mal ein schöner Lauf. Werde ich mir vormerken.
Das sind alles wunderbare Laufziele.
Aber mein Weg führt zur Porta Westfalica.
Eine neue Schutzhütte für die Hünenburg.
Es ist nicht mehr ganz so dunkel.
Verhältnismäßig schnell wird es hell.
Ich erreiche die Überführung der A2
Zu dieser Zeit ist kaum was los auf der Piste.
Ein Blick zurück.
Immer wieder schöne Aussichten lockern das Laufen auf.
Die Welt ist doch immer noch schön.
Auf der Weide hinter Wanderers Ruh grasen Pferde. Es ist jetzt hell geworden und ich bin super durch die Nacht gekommen.
Auf dem Portaweg geht es nun immer wieder auf und ab, bis ich am Levernsiek diese Gemälde an der Hauswand entdecke. Der Berg liegt nun hinter mir, es geht wieder in die Norddeutsche Tiefebene. Gut fünf Kilometer muss ich noch schnecken, bis ich zu Hause bin.
Und wie man sieht, begrüßt mich die Sonne mit aller Macht.
Ein Blick gen Lerbeck.
In der Ferne ein Kraftwerk meines Arbeitgebers.
Ein Blick zurück, es war wunderschön, schwer, gelegentlich schmerzhaft und trotzdem bin ich stolz, es geschafft zu haben. Bei den Startvorraussetzungen hätte es auch ganz anders ausgehen können. Aber die vielen Laufjahre bilden doch eine solide Grundlage, auf der ich wieder aufbauen kann. Heute war es noch Schneckentempo. Aber wenn das Gewicht weiterhin so abnimmt, dann bin ich zum Herbst wieder fit.

Die Strecke war heute 45,7 km lang, hatte 561 Meter Anstiege, 545 Meter Abstiege und es war einfach nur eine Freude, kein Hammermann dabei, einach nur toll.